Parkour – Wirtschaftsfaktor oder Kunst der Fortbewegung?
Parkour bzw. Le-Parkour ist ein Begriff, der in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts geboren wurde. Mit diesem, vom französischen Wort „parcours“ (Hindernislauf) abgeleiteten Wort, wurde am Anfang dieses Jahrtausends ein enormes Medieninteresse geweckt. Nach dem Spielfilm Yamakasi (2001) und dem bekannten BBC-Werbespot, folgten die bekannten Dokumentationen Jump_London (2003) und Jump_Britain (2005). Zwischen diesen zwei Dokumentationen, die vor allem in England die „Parkour-Welle“ vorantrieben, erblickte auch Banlieue_13 (2004) das Licht der Filmwelt.
In jüngster Vergangenheit wurde das Wort „Parkour“, in Bezug zur Film-Industrie, auch nicht seltener in den Mund genommen. In Casino Royale sah man Sebastien Foucan von Kran zu Kran springen und in Die_Hard_4.0 konnte Cyril Raffaelli (guter Freund von David Belle) seine akrobatischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Auch in Zukunft werden wir Parkour noch öfter durch die Medienwelt geistern sehen, spätestens beim 2008 anstehenden Film Babylon_A.D. mit Vin Diesel. Dies sind (abgesehen von den unzähligen Parkour-Werbungen bzw. Shows auf den verschiedensten Kontinenten) wohl die größten medialen Vertreter des Wortes Parkour… sollte man zumindest annehmen.
Nein, denn auch die Computerspiel-Industrie bewegt sich auch schon länger auf diesem Pfad. Das lang entwickelte Spiel „Free-Running“ macht sich auf dem Markt breit und andere werden folgen. Andere, wie zum Beispiel Assassins_creed oder Totems. Hier wird bereits bei den Spiel-Demonstrationen und Presse-Aussendungen Parkour mehrfach erwähnt, um für das Spiel zu werben. Wer dabei denkt „kleine Computerspiele“ haben kaum einen Einfluss, dem sollte bewusst werden, dass die Spieleindustrie bereits 2005 mehr Umsatz machte, als die Film-Industrie.
Der Patent/Markenrecht-Streit um das Wort Parkour hat schon längst begonnen. In Deutschland wurde bereits 2004 die Wortmarke „Parkour“ eingetragen und für hunderte Produkte (vom Mousepad bis zum Brillenetuis) gesichert. Aber auch in den U.S.A und in England wurden Begriffe wie „Le Parkour“ und „Traceur“ in den letzten zwei Jahren markenrechtlich abgesichert. Das hinter diesem Begriff mehr steckt, als nur eine rechtliche Streit-Grundlage, kümmert dort wahrscheinlich niemanden. Die Parkour-Szene ist ja dafür bekannt, dass sie sich gerne an Begriffen aufhängt und diese bis zur Unendlichkeit durch- diskutiert/argumentiert bzw. philosophiert.
Für viele Ausübenden ist Parkour inzwischen zu einer Lebenseinstellung geworden und es wird ihnen egal sein, wer nun die Rechte für „ihr“ Wort besitzt. Hauptsache sie können ihr Parkour betreiben und es werden ihnen keine unüberwindbaren Hindernisse in den Weg gestellt.
Auch viele Skater bzw. Skateboarder betreiben kein Skaten, sondern sie „leben“ es. Vor einigen Jahren gab es nämlich auch einen enormen Boom und mediales Interesse an dem Wort/Sport/Trendsport „Skaten“ bzw. „Skateboarden“. Inzwischen wurde dies aber wieder fallen gelassen und nun gibt es nicht einmal mehr eine Skate-Halle in Wien. Skateboarden war der Trendsport der Vergangenheit und Parkour ist der „Trendsport“ der Gegenwart. In wie weit dieses Interesse in Zukunft bestehen bleibt, wird sich noch zeigen.
Ist dieses enorme mediale Interesse an Parkour nun Fluch oder Segen? Man merkt auf jeden Fall ganz klare Veränderungen. Inzwischen wird man beim Training auf der Straße von Passanten zum Thema Parkour angesprochen, was vor ein paar Jahren noch als „dumme Rumhüpferei“ galt. Man merkt vermehrt, wie sich erfahrene Ausübende mehr und mehr von dem Wort Parkour distanzieren und den Platz für unerfahrene Neulinge machen. Diese wiederum, werden immer öfter von den Medien aufgegriffen und geben ein falsches/schlechtes Bild von Parkour an die Öffentlichkeit ab. Ob sich über dieses schlechte/falsche Bild nun die Inhaber des Markenrechts, oder diejenigen die Parkour „leben“ ärgern, sei dahin gestellt.